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Das fühlt sich mächtig an: Wiesbadener Jugendliche organisieren ein stattliches Festival selbst

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Von Stefanie Pietzsch. Fotos Ivgenia Knobloch.

„Wer macht Stage Manager, und wer kümmert sich um die Bands, wenn sie ankommen?“ Zusammen mit fünf Jungs und drei Mädchen planen Cornelius Koog von der Kreativfabrik und Julius Lensch vom Kulturpalast die letzten Koordinaten für den „Youth Culture“- Festivaltag, der am 15. Juli mit 14 Bands und fünf DJs über die Bühne gehen soll. Bis Mai sei es sehr stressig gewesen, erzählt die „Booking Group“, als sie sich in der „Krea“ zum siebten Mal trifft: Bands mussten ausgesucht, Zeiten und Honorare abgestimmt werden. Nach sieben Monaten steht nun das Line-Up. Organisiert von den Jugendlichen selbst. Das ist auch das Konzept dahinter.

Von Jungen für Junge

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Ob Workshops, Bands, DJs, Shows, Tanz, Kunst oder Musik, das eintägige Festival gestalten die jungen Organisatoren ganz nach ihren Wünschen und Ideen. Ausgeschrieben wird Youth Culture vom Amt für Soziale Arbeit, Abteilung Jugendarbeit, wi&you, an Wiesbadener Schulen. Aktiv mitmachen kann jeder zwischen 14 und 19 Jahren. Mit der Planung geht es immer Anfang des Jahres los. Den Auftakt bildet ein gemeinsames Brainstorming zu Inhalten und Rahmenbedingungen. Anschließend teilen sich die Jugendlichen in Gruppen auf. Die einen kümmern sich um das Bühnenprogramm, die anderen um die Stände oder die Werbung. Einmal monatlich tauschen sich dann alle gemeinsam zum aktuellen Stand aus und diskutieren weitere Schritte. Youth Culture ist aber nicht nur ein Musik- und Kulturfestival – es soll auch ein klares Zeichen gegen Rassismus und Vorurteile setzen. In diesem Jahr steht dieser Aspekt ganz besonders im Mittelpunkt. Unter dem Motto „Together against Racism“ startet das Festival mit einer Demo, die vom Mauritiusplatz zum Kulturpark am Schlachthof zieht.

Zurück in die Booking Gruppe. Wir erfahren, dass dieses Jahr kurzfristig das Budget durch die Naspa-Stiftung aufgestockt wurde. So konnten neben regionalen Bands auch Größen wie der deutscher Hip-Hopper Amewu aus Berlin, Johnny Rakete aus Fürth, die Metal-Band Wolf Down aus dem Ruhrgebiet oder Desolated aus UK gebucht werden. „Es ist toll, wenn man Bands nach dem eigenen Musikgeschmack aussuchen und den dann über das Festival weitergeben kann,“ erzählt Aleyna Krummeck. Sie ist schon das zweite Jahr dabei. Jetzt geht es noch darum, wer was und wann macht.

Stage Manager und Get-In-Wachen

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„Als Stage Manager sorgst du dafür, dass die Bands rechtzeitig zum Soundcheck kommen, dass sie rechtzeitig wieder runter von der Bühne gehen – also die ganze zeitliche Organisation“, erklärt Julius. Die Get-In-Wachen kümmern sich um die Bands, wenn sie ankommen und während der Veranstaltung. Eine lebhafte Diskussion kommt auf. Zwischendrin kommt immer wieder die Frage auf „Können wir auch mal chillen?“ Es gibt zwar viel zu tun, aber es gibt natürlich auch die Gelegenheit, das Festival anzusehen, heißt es daraufhin. Die Schichtplanung nimmt mehr und mehr Gestalt an. Diejenigen, die schon mehr als einmal mitmachen, erzählen von ihren Erfahrungen. Maxim Nepomnyshchikh ist seit vier Jahren dabei, begeistert von Anfang an, hat schon einiges erlebt. Sein Fazit: „Ein Festival zu organisieren fühlt sich einfach mächtig an!“

Als Veranstalter agiert die Abteilung wi&you vom Amt für soziale Arbeit im Hintergrund und übernimmt das Administrative. Auch dabei wird sie von zwei jungen Leuten unterstützt. Leonid Hamm macht den Bundesfreiwilligendienst (BFJ) bei wi&you. Als er 2015 das erst Mal beim Youth Culture ist, trifft er einen alten Freund. Dieser erzählt, dass er als BFJler für das Festival mitgearbeitet hat. Leo ist hellauf begeistert, bewirbt sich und bekommt die Stelle. Heute wirbt er auch im Freundeskreis für das Festival: „Es ist eine einmalige Erfahrung, so etwas mitgestalten zu können!“ Viele seiner Freunde, wie er früher selbst auch, nehmen das Festival gar nicht wirklich war. „Die meisten interessieren sich nur für kommerzielle Veranstaltungen“, bemerkt er und ergänzt: „Heute weiß ich den sozialen Hintergrund sehr zu schätzen! Und was gibt es denn schöneres, als kostenlos so ein Kultur- und Unterhaltungsprogramm zu erleben?“ Theresa Steinle sieht das ähnlich. Sie absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur. Für Theresa ist es auch „einfach ein gutes Gefühl über ein Festival laufen zu können, das man selbst mit organisiert hat“.

Das „Youth Culture Festival“ findet, mit sensor als Medienpartner, am 15. Juli vom 15 bis 23 Uhr bei freiem Eintritt auf dem Gelände des Kulturparks Schlachthof statt. Start der Demo zum Festivalmotto „Together against Racism“ 13 Uhr am Mauritiusplatz. 

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