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Das große 2×5-Interview: Jason Papadopoulos, Engagiert für Gemeinwohl-Ökonomie, 42 Jahre

Interview: Dirk Fellinghauer. Foto: Arne Landwehr

BERUFUNG

Was bedeutet Gemeinwohl-Ökonomie?

Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) bietet eine verlockende Alternative zur kapitalistischen Marktwirtschaft: Geld und Märkte sollen den Menschen dienen und nicht umgekehrt. Es geht nicht mehr um Wirtschaftswachstum, sondern um die stetige Erhöhung des Gemeinwohls – basierend auf den Werten Menschenwürde, Mitgefühl, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie auf demokratischer Mitbestimmung und Transparenz. „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ So steht es schon im Grundgesetz.  Das Instrument der Gemeinwohl-Bilanzierung soll die Gemeinwohl-Orientierung eines Unternehmens messbar machen – auf Basis einer Matrix mit insgesamt 20 Indikatoren. Der Ansatz umfasst alle Bereiche der Gesellschaft. (mehr …)

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Das große 2×5-Interview: Andrea Kuhlenschmidt, Busfahrerin, 25 Jahre

Interview: Dirk Fellinghauer. Foto: Arne Landwehr.

BERUF

Busfahrerin, das ist nicht gerade ein typischer Beruf für eine 25-jährige Frau. Wie kamen Sie darauf?

Dass ich einmal Busfahrerin werden wollte, diesen Traum hatte ich schon lange. Allein schon die Sitze fand ich immer cool. Nach meiner Ausbildung zur Hauswirtschafterin habe ich erst mal bei einer Bäckerei und dann in einem Supermarkt gearbeitet. Ich komme aus Hamburg. Als ich mich dort bei den Verkehrsbetrieben als Busfahrerin beworben habe, bekam ich Absagen. Dann habe ich auf YouTube die Videos von ESWE Verkehr entdeckt, mit denen sie Busfahrer gesucht haben. Dort wurde ich genommen. Nach einer beschleunigten Grundqualifikation zur Busfahrerin in der ESWE-eigenen Fahrschule, die drei Monate dauerte, startete ich im November 2017 in meinen neuen Beruf. (mehr …)

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Das große 2×5-Interview: Birgit Goehlnich, Ständige Vertreterin der Länder bei der FSK, 64 Jahre, 2 Söhne

Interview: Dirk Fellinghauer. Foto: Arne Landwehr.

BERUF

Jeder kennt die FSK, kaum jemand weiß, was genau die FSK macht – und wie. Klären Sie uns doch mal auf.

Die Hauptaufgabe der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft ist die Altersfreigabe von Filmen. Dabei ist die Frage: Welches sind Inhalte, die Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung beeinträchtigen? Die FSK besteht seit 70 Jahren in Wiesbaden. Deswegen haben wir zurückgeblickt, wie sich FSK und Jugendschutz entwickelt haben. Das Ergebnis: Die Werte haben sich im Laufe der 70 Jahre verändert und mit ihr auch die problematischen Inhalte Gewalt, Drogen und Sexualität. Was früher im Vordergrund stand, ist heute eher unproblematisch.  Aktuell spielen Gewalt, Diskriminierung und Sprache eine viel größere Rolle. Hate Speech etwa, auch Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Das Thema Nacktheit ist nicht mehr so kritisch im Jugendschutz. Das war früher anders. Denken wir an Hildegard Knef und „Die Sünderin“: Da wurde allein der Wille einer Frau, aus ihrer Beziehung auszubrechen, kritisch beurteilt. (mehr …)

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Das große 2×5-Interview: Philipp Salamon-Menger, 42 Jahre, Direktor Volkshochschule Wiesbaden, 3 Töchter

Interview: Dirk Fellinghauer. Foto: Arne Landwehr.

BERUF

Ein neues Jahrzehnt hat begonnen. Was muss passieren, damit es für die vhs Wiesbaden „goldene Zwanziger“ werden?

Ich hoffe nicht, dass es insgesamt allzu viele Analogien zu den 1920er-Jahren gibt. Für goldene Zwanziger Jahre bräuchten wir ein interessiertes Publikum, das an politischen Themen interessiert ist und mit uns daran arbeiten will, dass wir nicht wieder Straßenschlachten, Weltwirtschaftskrisen und am Ende eine braune Herrschaft haben. Wir wollen hoffen, dass sie mit uns daran arbeiten, sich politisch, gesellschaftlich, gesundheitlich bildend und weiterbildend auf dem Laufenden zu halten – natürlich gemeinsam mit allen Teilen der Stadtgesellschaft. Wenn dann die Stadtverordneten ihren Weg weitergehen, mit dem sie die goldenen Zwanziger eingeläutet haben, nämlich der Kultur und der vhs insbesondere mehr Geld zu überweisen, dann sind das ganz gute Auspizien. (mehr …)

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Das große 2×5-Interview: Pfarrer Matthias Loyal, Vorstandsvorsitzender EVIM, 58 Jahre, 3 Kinder

Von Dirk Fellinghauer. Foto Arne Landwehr.

Wer und was gehört alles zu EVIM?  

Der Evangelische Verein für Innere Mission in Nassau heute ist eine gemeinnützige Organisation mit über 60 sozialen Einrichtungen und Diensten in Hessen und Rheinland-Pfalz. Der Verein und seine Gesellschaften beschäftigen rund 2600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Altenhilfe, Behindertenhilfe, Jugendhilfe, Bildung und in Service-Angeboten. Besonders dankbar sind wir für das anhaltend enorme Engagement von rund 650 Ehrenamtlichen und jungen Freiwilligen. (mehr …)

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Das große 2×5-Interview: Jeroen Willemse, 22 Jahre, Vorsitzender AStA der Hochschule RheinMain

Interview: Dirk Fellinghauer. Foto Arne Landwehr.

Welches sind aus Sicht des AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) die drängendsten Probleme für Studierende zum Semesterstart 2019/20 in Wiesbaden?

Vor allen Dingen Wohnraum. Zu Beginn des Semesters kommen unglaublich viele Studis zu uns und haben Probleme, Wohnraum zu finden. Viele pendeln deswegen. Manche haben das Glück, in der Nähe zu wohnen. Es gibt aber auch Studierende zum Beispiel aus Gießen, die dann sehr weit pendeln müssen, weil sie nichts finden. Daneben sind wir auch schon beschäftigt mit der anstehenden Novellierung des Hochschulgesetzes, ein Riesenthema ist die Systemakkreditierung. Das wird sich über Jahre hinziehen, aber wir wollen schon jetzt dranbleiben, dass wir so viel Studierende wie möglich in diesen Prozess integrieren und unsere Stimme einbringen können. (mehr …)

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Das große 2×5-Interview: Susanne Lewalter, Leiterin Literaturhaus Wiesbaden, 48 Jahre, 1 Sohn

Interview: Dirk Fellinghauer. Foto: Arne Landwehr.

Welche Bedeutung hat das Literaturhaus für die und in der Stadt Wiesbaden?

Ich wünsche mir, dass es ein Ort ist, in dem viel über unsere Gesellschaft diskutiert wird – ein Ort der Debatte, das finde ich auch gerade in einer Stadt wichtig, die keine geisteswissenschaftlichen Fakultäten hat. Literatur hat oft auch ein seismographisches Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen. Es soll auch ein Ort sein, an dem Menschen an die Literatur herangeführt werden. Die Angebote für Kinder und Jugendliche haben wir ausgebaut. Nachdem wir das Café zum Glück wiedereröffnet haben, ist es einfach ein Ort, an dem sich Menschen treffen, miteinander ins Gespräch kommen. Ein Ort, der sinnlich ist, aber auch intellektuelle Auseinandersetzung mit sich bringt. (mehr …)

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Das große 2×5-Interview: Elliott Landy, Offizieller Woodstock-Fotograf, 77 Jahre

Interview: Olaf Neumann. Foto: Linda Landy. 

BERUF

Sie waren 1969 der offizielle Fotograf des Woodstock-Festivals. Es wird in Ihrem Buch „Woodstock Vision“ als „spirituelles Ereignis von biblischem Ausmaß“ beschrieben. Hatten Sie uneingeschränkte Fotografiermöglichkeiten?

Ich hatte vollen Zugang. Den Presseausweis brauchte ich dort gar nicht, ich habe in Woodstock für meinen Auftraggeber Michael Lang fotografiert. Ich kannte Michael schon länger, weil er wie ich in Woodstock lebte. Einmal kam er bei mir vorbei, um mich zu fragen, ob ich ein Festival fotografieren wolle, welches er gerade organisiere. Ich wollte von ihm wissen, wer dort spielen soll. Daraufhin nannte er mir ein paar Namen, und ich sagte ihm zu. Wir brauchten nicht mal einen Handschlag. (mehr …)

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Das große 2×5-Interview: Philipp Kratz, Historiker und Buchautor, 40 Jahre, 4 Kinder

Interview: Dirk Fellinghauer. Foto: Arne Landwehr.

Eine Stadt und die Schuld – Wiesbaden und die NS-Vergangenheit seit 1945“ heißt Ihr gerade erschienenes Buch. Wenn Sie rund 430 Buchseiten auf eine Antwort zusammenfassen: Was kennzeichnet den Wiesbadener Umgang mit der NS-Vergangenheit?

Der Wiesbadener Umgang ist exemplarisch für den westdeutschen Umgang, und dieser ist sowohl eine Erfolgs- als auch eine große Defizitgeschichte. Das ist die Quintessenz. Der selbstkritische Umgang mit der eigenen Vergangenheit – sich den eigenen Verbrechen, dem Fehlverhalten zu stellen, zu diskutieren, nicht immer einer Meinung zu sein, aber das öffentlich zur Sprache zu bringen – ist eine ganz große Errungenschaft der Bundesrepublik und auch von Wiesbaden. Dies aber nicht in dem Sinne, dass man stolz drauf sein sollte. Die Deutschen und Wiesbadener sind nur deswegen die Weltmeister des Erinnerns, weil sie auch die Weltmeister im Massenmord waren. Was Defizite angeht: Die allermeisten Täter, die direkt am Holocaust beteiligt waren, wurden nicht bestraft und zur Rechenschaft gezogen. Es wurden zwar riesige Summen an Wiedergutmachung bezahlt. Aber die allermeisten sind ohne jegliche Zahlung aus dem Leben geschieden. Zudem gab es leider aus Sicht der verfolgten Opfer skandalöse Kontinuitäten – Leute, die im Dritten Reich Karriere gemacht hatten, haben das auch nachher in der Bundesrepublik wieder getan. Das war für diejenigen, die gelitten haben, unerträglich. (mehr …)

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Das große 2×5-Interview: Dirk Schirdewahn, Neuer Leiter Wartburg, 37 Jahre, 3 Kinder

Interview Dirk Fellinghauer. Foto Arne Landwehr.

BERUF

Die Wartburg – 1906 eröffnet, wechselvolle Geschichte, seit 2003 Spielstätte des Staatstheaters – wird mal wieder neu erfunden. Warum und wie?

Die Wartburg wird nicht komplett neu erfunden, sie bleibt die Spielstätte des Staatstheaters und ist damit Teil einer sich im stetigen Wandel befindenden kulturellen Institution. Die Wartburg wird ab nächster Spielzeit näher an das JUST heran rücken, sie wird Heimat des Jungen Staatsmusicals und der Spielclubs. Wir werden mit einer neuen Premiere aus dem Jugendtheater das Repertoire an Stücken für Jugendliche ausbauen und Produktionen für ein Publikum ab elf Jahren in die Wartburg holen. Zudem werden wir das Angebot an experimentellen Reihen erweitern und das studentische Publikum in die Wartburg locken. Die Wartburg, die schon immer auch Sprungbrett für große Karrieren war, wird ihrer Geschichte treu bleiben und jungen Menschen eine Chance bieten, sei es auf oder hinter der Bühne. (mehr …)

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Das große 2×5-Interview: Beatrixe Klein, Direktorin Frauenmuseum Wiesbaden, 65 Jahre

Interview: Dirk Fellinghauer. Foto: Arne Landwehr

Warum brauchen Frauen ein eigenes Museum?

Das Frauenmuseum Wiesbaden ist nicht nur ein Museum für Frauen, sondern für alle Menschen, die es interessiert. Das war uns von Anfang an ganz wichtig. Das Museum braucht es, um mit dem Schwerpunkt, den wir setzen, mit einem anderen Blick auf Gesellschaft zu schauen. Zur Zeit der Entstehung hatte sich gezeigt, wo Frauen auch im kulturellen Bereich unterrepräsentiert sind. Das galt auch im musealen Bereich.  Wir haben gesagt, zum einen müssen wir bestimmte Dinge sammeln, die nicht in klassischen Museen gesammelt werden, zum anderen sind bestimmte Themen nicht besetzt. Wir waren das dritte Frauenmuseum weltweit, insgesamt gibt es heute etwa 60. (mehr …)

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Das große 2×5-Interview: Matthias Röhrig, Leiter der Obdachlosen-Einrichtung „Teestube“, 56 Jahre, 2 Töchter

Von Dirk Fellinghauer. Foto Arne Landwehr.

Für wen ist die Teestube da?

Die Teestube ist eine Fachberatungsstelle und Tagesaufenthalt für wohnungslose Menschen und sozial ausgegrenzte Menschen. Das Klientel verändert sich in regelmäßigen Abständen.  Soziale Probleme im Land kommen mit einer Zeitverzögerung bei uns an. Momentan haben wir viele Menschen aus Osteuropa – aus Polen, inzwischen außerdem aus Rumänien, Bulgarien, Ungarn.  Viele, die bei uns landen, kommen unvorbereitet, sprechen oft die Sprache nicht und erfahren dann hier, dass sie keinen Anspruch auf irgendwelche Sozialleistungen haben, so dass sie auf der Straße landen und dort auch verelenden. Wir haben inzwischen auch viele psychisch Kranke, immer mehr Menschen  mit Wahnvorstellungen. Diese ziehen auch aus ihrer Wohnung aus, weil sie die „bedrohliche“ Situation bei sich zuhause nicht aushalten.
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